„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ (Primo Levi)

Einige Mitglieder des SPD-Ortsvereins Gilching besuchten am Freitag, 16.03., gemeinsam die Sonderausstellung „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945“ im NS-Dokumentationszentrum in München.

Die Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum, die in Kooperation mit der Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München und der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V. (a.i.d.a.) entstanden ist, illustriert in Wort und Bild rechtsextremistische Erscheinungen und Entwicklungen in Deutschland seit 1945.

1945 endete die nationalsozialistische Schreckensherrschaft, aber die Ideologie überlebte. Daran änderte auch das Verbot der in der Tradition der NSDAP ausgerichteten Sozialistischen Reichspartei (SRP) durch das Bundesverfassungsgericht 1952 nichts.

Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus erfolgte zunächst schleppend. Einer der Gründe hierfür war, dass viele in der NS-Zeit im Justizwesen tätige ehemalige NSDAP-Mitglieder in der Adenauer-Ära im Justizministerium Beschäftigung fanden.

Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Jahren 1933 – 1945 und ihren Folgen intensivierte sich in den 60er Jahren mit der Studentenbewegung. Im Jahr 1968 wurde Rudi Dutschke von einem rechtsradikal beeinflussten Arbeiter angeschossen. In dieser Zeit zog auch die neu gegründete Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) erstmals in Landtage ein. Die NPD und andere rechtsextreme Parteien wie die inzwischen aufgelöste Deutsche Volksunion (DVU) oder die Republikaner konnten immer wieder punktuell bei Landtagswahlen die 5-Prozent-Hürde überspringen, feierten aber nie langfristige parlamentarische Erfolge. Die Ausstellung beleuchtet auch die Parteiengeschichte des Rechtsextremismus.

Ein weiteres Augenmerk wird auf den Rechtsterrorismus gelegt.
Der bis heute schwerste Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte war das Oktoberfestattentat im Jahr 1980 mit 13 Toten und 211 Verletzten, verübt von Gundolf Köhler, einem jungen Rechtsextremisten. Seit 1990 zählt die Amadeu Antonio Stiftung mindestens 193 Todesopfer rechtsextremer Gewalt, darunter auch die Opfer des OEZ-Attentats/Amoklaufs 2016. Aufgrund unterschiedlicher Erfassungskriterien unterscheidet sich die Gesamtzahl der Todesopfer von jener der offiziellen Statistik des Bundeskriminalamts (mindestens 85, Stand Januar 2019) sowie der des Tagesspiegels und „Zeit Online“ (mindestens 169), die gemeinsam eine Langzeitrecherche durchgeführt haben.

Sehr spannend und anschaulich dargestellt werden die Komponenten der rechtsextremistischen Ideologie. Man gewinnt eine Vorstellung davon, was sich hinter dem Wort Geschichtsrevisionismus verbirgt, erfährt Hintergründe zu Antisemitismus, Homophobie, Islamfeindlichkeit, Rassismus oder Chauvinismus. Die Konturen eines rechtsextremistischen Weltbilds werden so sichtbar.

Die Sonderausstellung wird noch bis zum 02.04.2018 gezeigt.

Daniel Büttrich
SPD Gilching

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